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Argumente gegen das Projekt P&R Mariatrost

by admin last modified 2007-02-07 17:51

Gegen das geplante P&R Zentrum Mariatrost sprechen vielerlei gewichtige Gründe. Einige sind dabei nicht nur von lokaler (Mariatrost, bzw. Stadt Graz), sondern durchaus von regionaler Bedeutung. Thematisch lassen sich die Einwände in wirtschaftliche, verkehrsplanerische and ökologische (bzw. hydrologische) Argumente einteilen.

In wirtschaftlicher Hinsicht spricht eigentlich alles gegen das Projekt. Die Projektkosten wurden von Dir. Janezic für die nackte Garage, ohne jedwede Zusatzeinrichtung mit ATS 100.000,- / Stellplatz angegeben. Dieser Zahl liegt jedoch eine 1,5-fache Belegung je Tag und Stellplatz zugrunde, eine Situation, die für ein Tagespendler-Zentrum eher unwahrscheinlich erscheint. Desweiteren sind in dieser Schätzung folgende Kosten, neben anderen, noch NICHT enthalten:
  • Zufahrt (vermutlich über einen neu zu errichtenden Kreisverkehr im Ortszentrum und eine Brücke (?), die Planung diesbezüglich ist aber noch im Gange (Büro DI Nipitsch)
  • "Sport- und Freizeitzentrum"
  • Schwimmbad/Löschteich
  • Begrünung, Verschönerung
  • Hochwasserschutzmaßnahmen
Nach Rücksprache mit mehreren Architekten und Bauingenieuren scheinen, beim derzeitigen, noch sehr vagen, Planungsstand Kosten im Bereich von ca. 3-4 Mio EUR für die Garage selbst und ca. 6-8 Mio EUR f.das Gesamtprojekt realistisch. Wir weisen darauf hin, dass es sich hierbei um reine Schätzwerte handelt, alles andere wäre beim derzweitigen Projektstand absolut unsachlich. Dennoch, in Zeiten knapper (leerer, wenn man den Pressemeldungen glauben schenkt) Kassen sollte die Verwendung dieser Mittel definitiv überdacht werden.

Aus verkehrsplanerischer (und damit verbunden wiederum auch wirtschaftlicher) Sicht erscheinen uns folgende Punkte wichtig:
  1. Von derzeit ca. 10.400 Fahrzeugen täglich (davon ca. 8.000 PKW) werden im Optimalfall 600 zum P&R umgeleitet. Das entspricht einem Prozentsatz von 7,5% gesehen auf den PKW-Verkehr bzw. 5,77% bezogen auf den Gesamtverkehr. Anders formuliert: es ist der sprichwörtliche Tropfen auf dem heissen Stein.
  2. Ausgehend von mehreren Studien (Frewein/Kribernegg, Fallast) ist von einer Steigerung des Individualverkehrs im Bereich von 2,1 bis 2,5% pro Jahr auszugehen (diese Zahlen haben sich in den letzten Jahren bestätigt, bzw. wurden sogar leicht übertroffen). Das bedeutet (rein auf PKW bezogen) eine Steigerung um 168 bis 200 Fahrzeuge pro Jahr oder, wiederum anders formuliert: selbst unter Vernachlässigung des (überproportional steigenden) LKW-Verkehrs ist nach ca. 3 Jahren der Status Quo, trotz der o.a. Rieseninvestition, wieder erreicht, so keine Begleitmaßnahmen im Umland gesetzt werde. Diese sind jedoch nirgendwo auszumachen.
  3. Es muss davon ausgegangen werden, dass weitaus weniger Pendler als erhofft das P&R Angebot annehmen, wenn dieses kostenpflichtig ist. Erste Erfahrungen mit extrem niedrigen Tarifen (z.B. in der Tiefgarage Liebenau, nach Aussage von BM Nagl) bestätigen, dass nur äußerst wenige Verkehrsteilnehmer bereit sind, für P&R zu bezahlen. Angesichts dessen, dass sie bei Erreichen des P&R meist schon relativ nahe an ihrem Endziel (mit Gratisparkmöglichkeit) befinden, ist diese Haltung auch durchaus verständlich, da dem finanziellen Aufwand für den Pendler kein wirklicher Vorteil entgegensteht. Sollte das P&R Angebot jedoch gratis sein, so ergeben sich durch die fehlenden Rückflüsse wiederum weitaus höhere Kosten f.d. Stadt Graz.
  4. Die Errichtung des P&R an der Endhaltestelle der Linie 1 löst das Problem, dass die Anbindung an den öffentlichen Verkehr für alle Bezirksbewohner jenseits des Kirchberges sehr schlecht ist, in keinster Weise. Diese Situation wird sich mit dem Bau von mehr als 100 Wohnungen auf den Marland-Gründen massiv verschärfen.
  5. Bereits jetzt ist die Fahrzeit von Mariatrost in die Innestadt (Linie 1) sehr lang (für Personen, die täglich den Hauptbahnhof erreichen müssen, beinahe untragbar lang), dieses Problem wird durch die Verdichtung des Intervalles eher verschärft, da die Garnituren auf praktisch allen Ausweichen stehenbleiben (und auf den Gegenverkehr warten) müssen.
  6. Es steht zu befürchten, dass das geplante Freizeitzentrum mit Schwimmbad eher zusätzlichen Individualverkehr anziehen wird.
  7. Die allgemein anerkannte Prämisse, den Indivualverkehr möglichst nahe am Quellort abzufangen und die Tagespendler von vornherein mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu bringen, wird mit einer P&R Anlage weit innerhalb der Stadtgrenzen ad absurdum geführt.
Fazit: Der Bau der P&R Anlage löst das evidente Verkehrsproblem in der Mariatrosterstraße (und deren Seitengassen) in keinster Weise, ja, führt, angesichts der Begleitumstände, letztlich nicht einmal zu einer wenigstens spürbaren Verbesserung der Situation.

Aus ökologischer und hydrologischer Sicht ergeben sich letztlich folgende Bedenken:
  1. Das Grundstück, auf dem gebaut werden soll, ist (lt. Gutachten Dr. Sackl) extrem hochwassergefährdet
  2. Die Wiese, auf der das geplante Objekt gebaut wird, entwässert ein Areal von mehr als 20ha. Sie sorgt dafür, dass Regenwasser, zumindest zum Teil, versickert und erst langsam wieder (letztlich an den Mariatrosterbach) abgegeben wird und ist in jenem Bereich die letzte natürliche Rückhaltezone. Diese Funktion würde beim Bau der Garage zumindest zu einem merklichen Teil verloren gehen. Dies bedeutet jedenfalls einen ernormen technischen und auch finanziellen Aufwand, um mit Mitteln des Wasserbaus eine, zumindest was den Abtransport des Wassers betrifft, zum derzeitigen Stand einigermaßen adäquate Situation zu schaffen. Dies würde jedoch dazu führen, dass das Wasser, im Vergleich zur Ist-Situation deutlich schneller in den Mariatrosterbach als einzig möglichen Abfluss gelangt. Es gilt zu überlegen, ob Überschwemmungen im Unterlauf des Baches (wie immer wieder am USI-Sportplatz zu sehen) dadurch nicht begünstigt werden. Sicherlich ist diese Vorgehensweise jedoch nicht mit dem Projekt 'Entwicklung eines Grazer Gewässerleitbildes', das der österr. Naturschutzbund gemeinsam u.a. mit dem Magistrat Graz initiiert hat, in Einklang zu bringen.
  3. Die Gegend um den Kirchberg ist einer der neuralgischen Punkte für einen der letzten verbliebenen Frischluft-Korridore von Graz. Die Frischluft fliest in diesem Bereich in etwa entlang des Mariatrosterbaches richtung stadteinwärts. Genau in diese Richtung (westwärts, d.h. zum Bach hin) wäre jedoch das Parkhaus offen, d.h. alle Abgase des P&R würden automatisch in Richtung dieses Frischluftstromes und damit, relativ konzentriert, stadteinwärts weitergeleitet. Verschärft wird diese Situation dadurch, dass inmitten dieser Frischluftschneise sich auch ein Kindergarten befindet, der auf diese Art die Abgase des Parkhauses wohl als erstes zu spüren bekommt. Die tlw. Begrünung des Parkhauses mit Schlingpflanzen ist in den kritischen Wintermonaten absolut wirkungslos.
  4. Unserer Meinung nach veliert das Nahrholungsgebiet Mariatrost an jenen Qualitäten, die die Erholungssuchenden aus dem gesamte Grazer Osten bislang, speziell im Gebiet des Leechwaldes, so schätzten, nämlich Ruhe, Frischluft und Natur. Nicht zuletzt auch die Basilika, mit ihrer einmaligen Lage im Grünen ein absoluter Anziehungspunkt des Bezirks, würde, angesichts der Unruhe durch Freiteitzentrum und Parkgarage massiv an Attraktivität (und wohl auch Spiritualität) verlieren.
Ein Punkt, der vielleicht nicht in die obige Kategorisierung fällt, sollte dabei vielleicht auch noch Beachtung finden: P&R Anlagen ziehen unweigerlich Diskonter und Supermärkte an, da viele Pendler nach der Arbeit noch einkaufen gehen und jener Ort, an dem sie in ihren PKW steigen, bzw. der Weg von dort nach Hause stellt logischerweise eine perfekte Lokation für Einkäufe dar. Das bewirkt aber zweierlei: Da die großen Ketten i.A. beinahe unbegrenzte Mittel für Expansion (= Grundstückserwerb) zur Verfügung haben, werden die Preise für bestimmte Grundstücke entlang der Mariatrosterstraße hinter dem Kirchberg deutlich teurer werden und für beispielsweise Wohnbau uninteressant. Der zweite und weitaus drastischere Effekt wäre aber, dass mittelfristig diese Diskonter die letzten verbliebenen Einzelhandelskaufleute des Bezirks verdrängen werden. Es kann sich jeder ausmalen, was dies für die Nahversorgung des Bezirks bedeutet.